Chronik Hellersdorf & Marzahn

z. B. 4.6.20
z. B. 4.6.20
Samstag, 8. Februar 2014

Am 8.2.2014 führt die NPD in vier Ostberliner Bezirken etwa halbstündige Kundgebungen durch. Nach denen in Köpenick und Friedrichfelde stoppt die Partei mit einem LKW und zwei Kleinbussen in der Maxie-Wander-Straße Ecke Neue Grottkauer Straße, etwa 400 Meter entfernt von einer Unterkunft für Geflüchtete. Das Motto der Kundgebungen lautet "Sicher leben – Asylflut stoppen", die Reden des Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke und des Mitglieds des Bundesvorstand der Partei Ronny Zasowk aus Cottbus richten sich gegen Migrant_innen. Gespielt wird auch das Lied, zu dem dessen Macher drei Wochen zuvor ein Video an der nahe gelegenen Unterkunft gedreht hatten. Mit von der Partie sind 15 weitere Nazis, darunter die Hellersdorfer Andreas Krüger, Dennis Piehl und Romano Subke sowie der Marzahner Lars Niendorf, die das NPD-Kampagnen-Transparent mit der Aufschrift "Heute sind wir tolerant - Morgen fremd im eigenen Land", das seit dem 9.7.2013 öfter in Hellersdorf gastierte, halten. Des weiteren befinden sich im Tross die frühere Vorsitzende des Kreisverbands Gesine Schrader, zwei Parteifahnen, eine Fahne des Landes Berlin und ein Schild mit der Aufschrift "Geld für die Oma statt für Sinti und Roma". Marcel Rockel, Kai Schuster, Susan Witzki, Ines Tessmer und 18 weitere Anhänger_innen der "Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf" gesellen sich dazu. Nach Abschluss ihrer Kungebungsreihe fahren die NPDler nach Pankow, die Hellersdorfer_innen bleiben.

Quelle/n: http://www.blog.schattenbericht.de/2014/02/einfach-kein-interesse/, http://antifa-berlin.info/recherche/481-822014---npd-kundgebungstour-in-berlin, Augenzeug_innenberichte
Mittwoch, 5. Februar 2014

Am frühen Morgen des 5.2.2014 ziehen fünf junge Männer vom U-Bahnhof Hellersdorf kommend die Stendaler Straße entlang und brüllen dabei die Parolen "Frei, Sozial und National", "Nationaler Widerstand - Jetzt jetzt jetzt" und "Hier marschiert der Nationale Widerstand". Später sind aus einer Wohnung in derselben Straße Lieder der Rechtsrockband "Landser" zu hören.

Quelle/n: Augenzeug_innenbericht
Mittwoch, 5. Februar 2014

Am Vormittag des 5.2.2014 werden in der Hellen Mitte etwa ein Dutzend geschichtsrevisionistische Plakate entdeckt. Die Plakate der Veranstalter_innen des jährlichen Naziaufmarsches anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens im Rahmen der alliierten Bemühungen das nationalsozialistische Deutschland militärisch zu zerschlagen sind in verschiedenen Werbedisplays angebracht. Darauf ist von einer geplanten "Auslöschung des deutschen Volkes" und einer "Schuld der ›Befreier‹" die Rede. Entlang der Route der Plakate sind an Laternen und Ampeln Flugblätter der "Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf" angebracht, die auch in der Gegend um eine Unterkunft für Geflüchtete in der Maxie-Wander-Straße verteilt wurden. Auf diesen wird aufgerufen sich gegen die Unterkunft zu engagieren. Die zehn "Gründe", die dafür genannt werden, geben nicht nur rassistische Ammenmärchen wieder. Auch groteskere Stilblüten wie die "Veränderung vom (sic!) Bezirksklima", die "Ver- (sic!) und Überfremdung unserer Heimat" und der "Verlust bestehender Bezirkskultur" werden als Motive benannt.

Quelle/n: Augenzeug_innenberichte
Dienstag, 4. Februar 2014

Am 4.2.2014 werden an der Straße Alt-Biesdorf mehrere Schmierereien "Islam Raus" an Stromkästen entdeckt.

Quelle/n: Augenzeug_innenbericht
Montag, 3. Februar 2014

Am Vormittag des 4.1.2014 werden am U-Bahnhof Louis-Lewin-Straße sieben an Wände geschmierte Hakenkreuze und die Parole "Heil Hitler" entdeckt.

Quelle/n: Augenzeug_innenberichte
Montag, 27. Januar 2014

Laut Angaben der Berliner Polizei bemerken Mitarbeiter_innen einer Unterkunft für Geflüchtete in der Maxie-Wander-Straße am 27.1.20141 gegen 19:35 die Explosion eines Sprengörpers, der durch das Fenster eines Nebengelasses geworfen worden sei. Anschließend beobachten sie, dass drei Menschen flüchten.

Tatsächlich sind an diesem Tag nach Aussagen von Menschen aus dem Haus zwei Fenster im Abstand von etwa 30 Metern an derselben Hausfassade beschädigt worden. Dem Schadbild nach wurde eines von außen, das andere durch einen Sprengkörper, der in den Rahmen des angekippten Fensters geklemmt wurde, beschädigt. Keineswegs gehört diese Fassade zu einem Nebengelass, sondern zum Wohnhaus der untergebrachten Menschen.

  • 1. also dem 69. Jahrestag der Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager um Oświęcim durch die Rote Armee
Quelle/n: Pressemitteilung der Berliner Polizei vom 28.1.2014, Augenzeug_innenberichte
Dienstag, 21. Januar 2014

Am späten Abend des 21.1.2014 ist eine Gruppe von mindestens sechs jungen Männern auf dem Gelände eines linken Hausprojektes zugange und klebt Aufkleber der "Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf" (BMH) ("Nein zum  Heim"), einen der NPD, der Bombardements deutscher Städte während des Zweiten Weltkriegs als Terror deutet und ein offenes militärisches Engagement gleicher Art der USA "heute" in Syrien halluziniert, sowie einen des "Versand der Bewegung", der die "Anti-Antifa" propagiert, an dessen Haustüren. Als sich die Gruppe entdeckt wähnt, zerstreut sich sich rennend in nordwestlicher Richtung.

Am folgenden Tag werden auf der Facebookseite der BMH veröffentlicht, die zeigen wie an anderen Orten - darunter der leer stehende Teil einer Sammelunterkunft für Geflüchtete in der Carola-Neher-Straße - Aufkleber der BMH an Haustüren geklebt werden. Auch am Studierenden-Café an der Alice-Salomon-Hochschule werden Aufkleber entdeckt.

Quelle/n: Augenzeug_innenbericht, Veröffentlichung auf der Facebookseite der BMH vom 22.1.2014
Sonntag, 19. Januar 2014

Am frühen Nachmittag des 19.1.2014 versammeln sich zwei Musiker in Begleitung von acht weiteren Personen, um ein Video zu einem Musikstück vor dem zu diesem Zeitpunkt unbewohnten Teil einer Unterkunft für Geflüchtete in der Carola-Neher-Straße zu drehen. Zwei Männer der Gruppe flankieren die Szene, die von zwei weiteren Begleiter_innen gefilmt wird, indem sie breitbeinig stehend mit Deutschlandfahnen herum wedeln.

Als ein Mitarbeiter des vom Unterkunftsbetreiber engagierten Sicherheitsdienstes die Gruppe auffordert das Gelände zu verlassen, wird er von einem der Männer rassistisch beleidigt. Kurz darauf trifft die Polizei ein, nimmt diesbezüglich eine Anzeige auf und führt verschiedene Maßnahmen durch.

In einer Stellungnahme der beiden Musiker, die noch am Abend desselben Tages auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf (BMH) veröffentlicht wird, begründen sie die Wahl des Drehortes mit einem nationalistisch-apokalyptischen Mythos, wobei die Erklärung des Zusammenhangs zum Ort ausbleibt und somit wohl beim Leser eine Assoziation vom "Volkstod" und einer Sammelunterkunft für Menschen im Asylverfahren vorausgesetzt wird.

Ein Vokalpart des Musikstücks, in dem Kinder für die Vermittlung nationalistischer Ideen instrumentalisiert werden, wird von Patrick Killat aufgeführt. Der "nationale Rapper" ist bekannt für seine Texte, die alle Ideologeme eines geschlossenen nationalsozialistischen Weltbildes wiedergeben, bekannt. Bereits am 26. Oktober 2013 war der aus Hohenschönhausen stammende Killat auf einer Demonstration, die sich gegen diese Unterkunft richtete, in Hellersdorf unterwegs.

Quelle/n: Pressemitteilung der Berliner Polizei vom 19.1.2014, Veröffentlichungen auf der Facebookseite der BMH vom 19.1.2014

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