Das Ende des Antifaschismus: Vortrag und Diskussion mit Jan Gerber

Datum: 
Montag, 27. Juni 2011, 18:00 Uhr

im Audimax der Alice-Salomon-Hochschule

Wenn der Linken nichts mehr einfällt, fällt ihr der Antifaschismus ein. So war es 1977, als nach dem Zerfall der ersten Anti-AKW-Bewegung die große Stunde der Antifakommission des Kommunistischen Bundes, der sich bis dahin um »kritische Intervention« in die Bewegung bemüht hatte, schlug. So war es Ende der 1980er Jahre, als die DKP ihren »Friedenskampf« nach der vorläufigen Vertagung des Atomkrieges zugunsten der so genannten Antifa-Arbeit zurückstellte. Und so ist es letztlich auch seit Anfang der 1990er Jahre, seit sich die radikale Linke ausgerechnet im Bereich des Antifaschismus darum bemüht, ihre vielbeschworene Praxistauglichkeit wiederzuerlangen. Zwar waren die jeweiligen Entdeckungen des Antifaschismus stets auch dem verstärkten Auftreten von Neonazigruppen geschuldet. Der Antifaschismus ist allerdings – und das kann sowohl angesichts des jüngsten Antifa-Booms als auch angesichts der bundesweiten Volksfront gegen den Neonaziaufmarsch in Dresden gar nicht genug betont werden – nicht allein die Gegnerschaft zu Nazis, das Herumsitzen vor NPD-Aufmärschen oder die gelegentliche Rauferei mit den Mitgliedern bedeutungsloser Kostümvereine. Im Antifaschismus ist vielmehr einer der zentralen Gründe dafür zu suchen, warum die Linke den Unterschied zwischen Adolf Hitler und Franz Josef Strauß, gegen den sich 1980 eine der größten Antifa-Kampagnen der Bundesrepublik richtete (»Stoppt Strauß«), nie begreifen konnte, warum sie der Sowjetunion und der DDR trotz regelmäßiger Kritik am »Realsozialismus« über fast vierzig Jahre hinweg die Treue hielt, und schließlich: warum sie mit dem Untergang der DDR in jenen schockähnlichen Zustand fiel, der immer noch anhält.

Jan Gerber ist Autor des Buches »Nie wieder Deutschland? Die Linke im Zusammenbruch des ›realen Sozialismus‹« (ça ira Verlag), das bei gleicher Gelegenheit vorgestellt werden soll. Er schreibt regelmäßig für die »Bahamas« und ist Herausgeber der Bücher »Fight for Freedom. Die Legende vom ›anderen Deutschland‹« (gemeinsam mit Anja Worm) und »Rote Armee Fiktion« (mit Joachim Bruhn).

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Antifa-/Antira-Referat des AStA an der ASH.

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